openaxs - fiber connection for everyone

Plädoyer der Swisscom – Replik der Technischen Gemeindebetriebe

Die Swisscom möchte ein eigenes flächendeckendes Breitbandnetz für Internetnutzer realisieren. Auf Seiten der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell steht man diesem Vorhaben skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Die Swisscom will das Breitbandnetz im Kanton Thurgau massiv ausbauen. Bis ins Jahr 2020 sollen mindestens 80 Prozent aller Thurgauer über einen ultraschnellen Internetzugang verfügen. Dies erklärte Sven Guyer, Partner Manager FTTH bei der Swisscom, an einem Behörden-Apéro, zu dem der Verband Arbeitgeber Mittelthurgau ins Bischofszeller Rathaus eingeladen hatte.
Laut Guyer verfolgen Kantone, Gemeinden und Swisscom ähnliche Ziele. So soll mittelfristig eine flächendeckende und bedarfsorientierte Breitbandversorgung etabliert werden. Während dies für den Thurgau vor allem ein wichtiger Standortfaktor ist, sieht die Swisscom darin die Grundvoraussetzung, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Bis 2020 will die Swisscom einen Technologie-Mix anbieten, langfristig aber die FTTH-Technologie (Englisch für «Fibre to the home», Glasfaserkabel) flächendeckend realisieren.
Gemeinden wie Pfyn, Fischingen, Weinfelden und Frauenfeld verfügen bereits über FTTH-Lösungen, weshalb die Swisscom dort, wo es möglich ist, Kooperationen anstrebt. Guyer erklärte, dass es sinnlos sei, Parallelnetze zu schaffen, weshalb Swisscom die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Werken suche, um «den Thurgau optimal mit einer FTTH-Lösung zu versorgen».

Rolls-Royce für Bischofszell?
Dieses Argument stiess bei Urs Gamper, Geschäftsführer der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB) und der Telekabel Bischofszell AG, auf Widerspruch. Die Ex-Monopolistin Swisscom sei wieder drauf und dran, diese Monopol-Stellung zurückzuerlangen, was für den Wettbewerb schlecht sei, monierte Gamper. Die Absicht der Swisscom, in jedem Kabel vier Glasfasern zu verlegen, sei «in Sachen Lösung ein absoluter Rolls-Royce» und bezüglich Preis ein Kostentreiber, denn «für die Bedürfnisse der Gemeinde Bischofszell würde eine einzige Faser vollauf reichen», argumentierte Gamper. Was für den TGB-Geschäftsführer die Mutmassung nahelegt, dass «bei der Evaluierung durch die Swisscom auch schon der Glasfaserlieferant mit im Boot sitzt».
Gamper bezeichnete einen solchen Ausbaustandard als unnötig, da die nötige Geschwindigkeit auch anders zu erreichen sei. Zudem sei die Ausgangslage für jedes Elektrizitätsversorgungsunternehmen eine andere und lasse sich mit der Swisscom-Lösung nicht über einen Kamm scheren.
«Der Kunde will einen Internetanschluss mit einer klar definierten und garantierten Geschwindigkeit. Für ihn ist lediglich wichtig, was aus der Steckdose kommt. Wie es gebaut wird, ist ihm hingegen egal», erklärte Gamper. Auch ärgere es viele kleine Gemeinden, dass die Swisscom die bereits bestehenden, kommunalen Breitbandangebote konkurrenziere, indem sie eben das tue, was Guyer zuvor verneint habe: nämlich Parallelnetze aufbauen.

Grundsatzpapier von openaxs
Für Gemeinden wie Bischofszell erstellt openaxs 2015 ein Grundsatzpapier dazu, wie die Verantwortlichen am besten eine passende Telekom-Infrastruktur bauen können. Dabei wird aufgezeigt, mit welcher Art von Kooperationen rasch und günstig Netze gebaut werden können und wie man gleichzeitig den Mehrwert für Gemeinde, Bewohner und Gewerbe optimiert. Der Verband unterstützt den Ansatz, dass es pro Gebäude nur eine gute Telekom-Infrastruktur braucht – sofern die offenen Schnittstellen definiert sind.

Quelle: St. Galler Tagblatt