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«Der Erfolg ist nur über Kooperationen möglich»

Chris Eberhard, CEO Energie und Wasser Meilen AG (EWM) und neues Vorstandsmitglied von openaxs, über Synergien im Glasfaserbau, die Bedeutung von openaxs und die zentralen Erfolgsfaktoren im ländlichen Glasfasergeschäft.

«Man darf aber nicht glauben, dass man mit Glasfaserinfrastruktur viel Geld verdienen kann. Trotzdem braucht es sie.»

Herr Eberhard, warum engagiert sich die EWM als Energieversorgungsunternehmen im Telekommunikationsmarkt?
Chris Eberhard: Aus zwei Gründen. Erstens weil die Energieversorgung immer vernetzter wird, während Produktion und Speicherung immer dezentraler werden. Die intelligente Steuerung und Überwachung aller Komponenten wird zu einer zentralen Aufgabe des Energieversorgers. Dieses „Smart Grid“ benötigt eine Telekommunikationsinfrastruktur.

Und zweitens?
Eberhard: Weil der Datenanschluss für unsere Kunden immer selbstverständlicher und wichtiger wird. Er gehört zur Infrastruktur, die wir inzwischen täglich und schon fast selbstverständlich nutzen. Als Energieversorger sind wir heute in der Lage, mit verhältnismässig wenig Aufwand eine offene, allgemein zugängliche Infrastruktur zu bauen, die nicht nur unsere Bedürfnisse abdeckt, sondern auch eine exzellente Grundversorgung für Telekommunikation sicherstellt. Dies betrachten wir als Standortvorteil für Meilen.

EWM betreibt das Glasfasernetz gemeinsam mit der Gemeinde Herrliberg. Wie schaffen Sie es, Synergien zu nutzen?
Eberhard: Meilen und Herrliberg sind beides relativ kleine Energieversorger. Wir sind darauf angewiesen, mit gleichgesinnten, kompetenten Partnern zusammenzuarbeiten. Es ist naheliegend, dass wir uns beim Bau und Betrieb der Netze unterstützen. Mit der Betriebsgesellschaft „meifi.net“ stellen wir sicher, dass alle Systeme, Ressourcen und Partnerschaften gemeinsam aufgebaut werden. Dies reicht von der technischen Faserplanung und der Elektronik, über das Marketing bis zu Vertragsverhandlungen mit Swisscom. So nehmen unsere Kunden, Geschäftspartner und Serviceprovider unsere zwei Netze von aussen als ein einziges Netz wahr, während wir von Synergien profitieren können.

Wie sieht der Bauplan aus? Bis wann wollen Sie wie viele Haushalte und Geschäfte ans Glasfasernetz bringen?
Eberhard: Meilen und Herrliberg haben zusammen fast 10‘000 Nutzungseinheiten. Davon ist heute rund die Hälfte am Glasfasernetz angeschlossen. Der Rollout-Plan sieht vor, dass Herrliberg bis Ende 2014 und Meilen bis 2018 voll erschlossen ist. Leider sind wir aufgrund der Kooperation mit Swisscom gegenüber dieser Planung um fast ein Jahr in Verzug geraten. Wir sind aber überzeugt, dass Swisscom diesen Rückstand wieder aufholt.

Kritische Stimmen behaupten, das Glasfasergeschäft werde nie rentieren. Ihre Entgegnung?
Eberhard: Es ist immer schwierig, langfristige Investitionen zu rechtfertigen. Ein typischer FTTH-Business-Case hat einen Betrachtungszeitraum von 25 bis 30 Jahren. In dieser Zeit wird sich sehr viel verändern. Die Geschäftsmodelle, die wir heute für den Business Case beiziehen, werden in 20 Jahren mit Sicherheit nicht mehr gültig sein. Der Blick in den Rückspiegel zeigt, wie gross die Veränderungen sein können: Vor 20 Jahren hatten wir noch keine E-Mail-Adressen und der Weg ins Internet führte über zwitschernde Modems. Niemand konnte sich YouTube, Twitter, Wikipedia oder gar Fernsehen über Internet vorstellen. Über einen gleich langen Zeitraum einen belastbaren Case für die Zukunft aufzustellen, wäre vermessen. Die Berechnungen der Kritiker sind es nicht weniger.

Warum haben Sie sich dennoch für einen Markteintritt entschieden?
Eberhard: Entscheidend ist unsere Überzeugung, dass die Technologie über den Betrachtungszeitraum hinweg Bestand hat und die öffentliche Glasfaser zur selbstverständlichen Grundinfrastruktur gehört. Damit kann sichergestellt werden, dass die Kunden auch in Zukunft bereit sind, für die Nutzung dieser Infrastruktur ein angemessenes Entgelt zu bezahlen. Es ist wie bei den Strom- und Wassernetzen. Man darf aber nicht glauben, dass man mit Glasfaserinfrastruktur viel Geld verdienen kann. Trotzdem braucht es sie.

Aus welchen Überlegungen ist EWM Aktionärin der Swiss Fibre Net AG (SFN), die aus dem openaxs-Verband hervorgegangen ist?
Eberhard: Die Glasfasernetze der Energieversorger gleichen Inselstaaten, die zwar ähnlich sind, aber doch nicht genau gleich. Diese Inselstaaten stehen im Wettbewerb zu den grossen nationalen Anbietern wie Swisscom und Cablecom. Für den Erfolg der offenen Netze der Energieversorger ist es entscheidend, dass diese eng zusammenarbeiten und „Brücken bauen“. SFN ist ein solcher Brückenbauer. So kann zum Beispiel Sunrise heute schweizweit auf alle Fasern der SFN-Partner zurückzugreifen. Ein Vertragspartner – ein Netz. Gerade als kleiner Netzbetreiber sind wir darauf angewiesen, unsere Ziele gemeinsam mit Kooperationspartnern anzugehen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren für ländliche Energieversorger im Glasfasergeschäft?
Eberhard: Als kleiner ländlicher Energieversorger ist man versucht, kleine einfache lokale Lösungen zu suchen. Ich glaube, dass dies kurzfristg erfolgsversprechend, langfristig aber gefährlich ist. Technologie und Marktrollen verändern sich sehr schnell. Kleine Energieversorger haben nicht die Kraft, auf sich allein gestellt mit den Veränderungen mitzuhalten. Ich bin überzeugt, dass der Erfolg nur über Kooperationen – sowohl regional aber auch national – gesichert ist.

In welcher Rolle sehen Sie dabei die Energieversorger?
Eberhard:
Es genügt nicht, ein nahezu perfektes Netz zu verlegen. Sowohl die Kunden als auch die Dienstanbieter sind darauf angewiesen, dass Energieversorger in eine seriöse und kompetente Mittlerrolle hineinwachsen. Viele Energieversorger sind heute nicht willens oder nicht in der Lage, diese Rolle wahrzunehmen. Dies führt dazu, dass sich die Kunden im Glasfasermarkt im Stich gelassen fühlen und möglicherweise abspringen, auch weil den Dienstanbietern die nötige Kundennähe fehlt.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Kunden mit Ihren Dienstleistungen zufrieden sind?
Eberhard: Die Telekommunikationswelt ist für Kunden und Mitarbeitende kompliziert geworden. Früher musste man nur die Preise und die Anzahl Fernsehkanäle vergleichen. Heute schliesst man ein CPE an den OTO an, das dann mit einer Vielzahl von Geräten verbunden ist. Darüber bezieht man Dienste wie „VOD“, „Replay- oder Catchup-TV“. Ausserdem muss oft die Wohnungsverkabelung angepasst werden. Dazu müssen wir den Kunden unterstützen und vor allzu viel Komplexität schützen. In unserem Show-Room versuchen wir den Kunden bei der Wahl der Dienstanbieter zu helfen und ihre Fragen zu beantworten. Mit einem externen Dienstleister sichern wir unsere Unterstützung auch abends und samstags zu. Neukunden helfen wir bei der Erstinstallation. Diese Entwicklung zu einem Dienstleistungsunternehmen wird uns in Zukunft auch im Energiegeschäft zu Gute kommen.

Welche Bedeutung hat für Sie das ICT-Know-how?
Eberhard: Dieses Know-how mussten wir intern aufbauen, um auch gegenüber unseren Partnern und Dienstanbietern kompetent auftreten zu können. Aber der Aufwand hält sich in Grenzen. Dank der Zusammenarbeit mit Herrliberg und Betriebspartnern wie ewz und SFN genügen uns dazu eine bis zwei Fachpersonen.

EWM ist neues Vorstandsmitglied von openaxs. Welche Bedeutung hat für Sie der Verband?
Eberhard: Vor rund sieben Jahren, als sich uns die Grundsatzfrage nach dem künftigen Telekommunikationsnetz stellte, habe ich nach einem Verband wie openaxs Ausschau gehalten. Damals leider ohne Erfolg. Als kleinem Energieversorger fehlten uns die Ressourcen und das Know-how, um die für den Entscheid wichtigen Fragen zu stellen und richtig zu beantworten. Gleichgesinnte musste man selber suchen – eine gefestigte Sicht der Dinge gab es nicht. Mit openaxs ist das nun anders. Wer eine Anlaufstelle sucht, findet Unterstützung und Kontakte. In einer Branche, die sich so schnell wandelt, ist dieser Verband vor allem für kleinere Energieversorger von enormer Bedeutung.