openaxs - fiber connection for everyone

Der Wille der Bevölkerung

Ein Glasfasernetz bauen, eine Telekommunikationsinfrastruktur für die nächsten 50 Jahre, bedeutet für alle Beteiligten eine Herausforderung. Was bringt die Gemeinden dazu, das Abenteuer zu wagen? Und was hält sie davon ab?

Der Projekttalk: ein neues Format an der FTTH Conference. Praktikerinnen und Praktiker, die sich über ihre Erfahrungen im Glasfaserbau austauschen. Eine Art Synthese der vorangegangenen Referate.
Es gibt viele Wege zur kommunalen Datenautobahn. Drei Fallbeispiele, drei verschiedene Ausgangslagen: In Amlikon-Bissegg gab es gar kein funktionierendes Telekommunikationsnetz, in Dietlikon gab es ein Netz, welches dringend überholt werden musste. Und im Wallis gab es eine Vielzahl von kleinen Gemeinden, die nach dem Kooperations- und Solidaritätsprinzip eine Lösung suchten – gemeinsam mit der Bevölkerung.
„Ein vorbildliches Modell“, findet Othmar Schmid, Gemeindepräsident von Amlikon-Bissegg, eine Kleinstgemeinde, die das Projekt ganz alleine stemmen musste.
Das Votum der Bevölkerung spielte nicht nur im Oberwallis eine wichtige Rolle, sondern in allen drei Fallbeispielen, die an der FTTH Conference präsentiert wurden. In Amlikon-Bissegg war es die Wut über die Swisscom, die den Impuls zum gemeindeeigenen Netz gaben. Und in Dietlikon waren es gerade die älteren Einwohner, denen der schnelle Datenanschluss nicht rasch genug erfolgen konnte. Die wachsende Warteliste setzte die Gemeinde unter Druck.
„Wir leben in einem föderalistischen Staat, welcher die Gemeindeautonomie hochhält“, sagt Martin Landolt, BDP-Präsident. „Deshalb erwarte ich von den Gemeinden und ihren Bevölkerungen, dass sie in der Telekommunikationsinfrastruktur eine entscheidende Grundversorgung erkennen.“
Aber das ist nicht überall so: Im Oberwallis hat man heute ein Projekt geplant, um in zehn Jahren die letzte Berggemeinde zu erschliessen. Wie lange aber wird die Erschliessung in all jenen Regionen dauern, in denen die Glasfaser heute noch kein Thema ist?
„Es braucht jetzt einen Flächenbrand“, sagt Paolo Sebben vom FTTH Council Europe. „Damit das Nervensystem in der Schweiz möglichst bald möglichst flächendeckend funktioniert.“ Und für Landolt ist klar: „Die Ersten im Glasfasernetz werden die Ersten bleiben. Sie sind diejenigen, die dank ihrer guten Telekommunikationsinfrastruktur Unternehmen und Bürger anlocken, respektive vom Abwandern abhalten. Den Späteren bleiben nur die Brosamen.“
Die 350 Teilnehmenden an der FTTH Conference haben diese Botschaft gehört. Die Frage bleibt, wie sie nun noch in jene Landesteile vordringt, in denen in naher Zukunft eine Kommunikationswüste droht. Weil der Druck aus der Bevölkerung fehlt oder weil die Gemeindeverantwortlichen nicht merken, dass sie in der Verantwortung stehen, die Grundversorgung von morgen sicherzustellen.