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Energiewende und Visionen zum künftigen Telekommarkt

Peter Zbinden Business Development Telekom CB von ewb Vorstandsmitglied von openaxs
Peter Zbinden
Business Development Telekom CB von ewb
Vorstandsmitglied von openaxs

Peter Zbinden, Business Development Telekom, CB von Energie Wasser Bern (ewb) und Vorstandsmitglied von openaxs, über Bausynergien, Swiss Fibre Net und die Kundenzufriedenheit im Glasfasermarkt.

Herr Zbinden, warum engagiert sich ewb als Energieversorger im Telekommarkt?
Peter Zbinden: Die Telekom-Infrastruktur ist eine von verschiedenen Infrastrukturen, auf welche eine Privat- oder eine Geschäftsliegenschaft angewiesen sind. Es ist sinnvoll, dass solche unerlässlichen Infrastrukturen nur einmal gebaut, aber allen interessierten Dienstanbietern diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt werden. Das ist im Strommarkt gesetzlich so vorgeschrieben, aber auch in anderen Infrastrukturbereichen sinnvoll, wie im Strassenbau, in der Gasversorgung oder eben in der Telekom.

ewb baut gemeinsam mit Swisscom das Berner Glasfasernetz. Wie schaffen Sie es, Bausynergien zu nutzen?
Zbinden: Damit das Telekom-Netz nicht parallel, also doppelt gebaut wird, haben Swisscom und ewb beschlossen ein gemeinsames Netz zu bauen. Historisch haben Swisscom und ewb bestehende Rohrinfrastrukturen, die beide für den Bau genutzt werden können. Der Vertrag sieht vor, dass Swisscom 30% der Wohnungen über ihr Trassee und ewb 70% der Wohnungen über ihr Trassee erschliessen. Im Erschliessungsgebiet der ewb nutzen wir Bausynergien mit dem Stromnetz. In der Regel stellt die Geschäftseinheit Strom der Geschäftseinheit Telekom das Trassee zur Verfügung. Die Geschäftseinheit Telekom bezahlt der Geschäftseinheit Strom eine Miete. Davon profitieren beide. Die Geschäftseinheit Telekom erhält einen sicheren und kostengünstigen Zugang zum Kunden. Die Geschäftseinheit Strom kann durch die Mieteinnahmen einen Teil ihrer Kosten decken.

Wie sieht der Bauplan aus? Bis wann wollen Sie wie viele Haushalte und Geschäfte ans Glasfasernetz anschliessen?
Zbinden: Heute sind die Hälfte der 82'000 Wohneinheiten in der Stadt Biel ans Glasfasernetz angeschlossen. Eine Flächendeckung ist bis 2020 geplant.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Swisscom?
Zbinden: Die Zusammenarbeit im Bau funktioniert in Bern gut.

Kritische Stimmen besagen, dass vor allem Swisscom vom Kooperationsvertrag zwischen Swisscom und den Stadtwerken profitiere. Für die Stadtwerke hingegen könne sich das Glasfasergeschäft nicht lohnen. Ihre Entgegnung?
Zbinden: Dies ist nur dann richtig, wenn ewb es nicht schafft, auf ihren Fasern genügend Kunden aufzuschalten. Natürlich hat Swisscom einen Startvorteil, weil sie einen hohen Bekanntheitsgrad hat und eine bestehende Telekom-Kundenbasis bedienen kann. Wir sind jedoch überzeugt, dass die neuen Dienstanbieter auf unserem Netz den Kunden neue Möglichkeiten schaffen und Marktanteile gewinnen werden. Auf diese Weise ist auch die Wahlfreiheit für Kunden unter den Dienstanbietern auf dem Medium Glas gegeben – und nicht nur die Wahlfreiheit zwischen einem Monopolangebot auf Koax oder auf Kupfer.

ewb ist Kooperationspartner in der Swiss Fibre Net AG (SFN), welche aus dem Verband openaxs hervorgegangen ist. Aus welchen Überlegungen?
Zbinden: Einerseits soll SFN für die Dienstanbieter ein Eintrittsportal bieten, welches es ihnen einfacher macht, ihre Dienste schweizweit zu verkaufen. Ist diese Kooperation erfolgreich, hilft dies den Energieversorgern, ihre Netze besser auszulasten. Andererseits sollen über den Kooperationspartner SFN Synergien zwischen den verschiedenen Stadtnetzen noch besser ausgenützt werden als bisher. Software wie eine Bestellapplikation oder Hardware wie ein Backbone müssen die Energieversorger auf diese Weise nur einmal aufbauen – und alle können sie gemeinsam nutzen. Dank einer konsequenten Nutzung solcher Synergien bietet sich den Energieversorgern die Chance, zu vergleichbaren Kosten wie jene der Swisscom eine Telekom-Infrastruktur aufzubauen.

Würden Sie soweit gehen und sagen: Ohne SFN kein rentabler Business Case für ewb?
Zbinden: Das ist richtig. Wenn jede Stadt auf eigene Faust Prozesse, Tools oder Infrastrukturen evaluiert und betreibt, werden die Kosten zwangsläufig höher als jene der Swisscom. Und diese Mehrkosten können über die Verkaufspreise nicht kompensiert werden. Somit ist SFN der einzige Weg, wie wir den Business Case rentabel gestalten können.

Welches sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren für städtische Energieversorger im Glasfasergeschäft?
Zbinden: Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Netze durch alternative Dienstanbieter möglichst gut ausgelastet werden. Und dass diese Netze möglichst konsequent für alle Steuerbedürfnisse der andern Infrastrukturen genutzt werden können, also für die Bereiche Strom, Gas oder sogar Verkehrswege, im Sinne einer sicheren und elektronisch überwachten Verkehrsleitung.

Auf welche Weise schaffen Sie es, über den Glasfaserbau die Energiewende zu erleichtern?
Zbinden: Die Energiewende bringt es mit sich, dass Strom vermehrt dezentral produziert wird (PV-Anlagen). Die alternativen Produktionsquellen produzieren abhängig von Tageszeit und Wetter sehr unterschiedliche Strommengen. Speicherung und Netze müssen somit immer höheren Ansprüchen genügen. Nur das Glasfasernetz ermöglicht eine effiziente Steuerung dieser Energieflüsse und minimiert Zusatzinvestitionen in Netzausbau und Speicherseen.

Mit dem Glasfasermarkt betritt ewb ein neues Geschäftsfeld – also Neuland. Wie stellen Sie sicher, dass die Kunden mit Ihren Dienstleistungen zufrieden sind?
Zbinden: Viele unserer Dienstanbieter, etwa Finecom oder Sunrise, haben eine grosse Markterfahrung und bieten seit Jahren erfolgreich Services an. Der Prozess der Inbetriebnahme ist natürlich etwas schwieriger, da mit Dienstanbietern, ewb und Swisscom mehrere Parteien involviert sind. Wir arbeiten hart daran, diese Prozesse zu optimieren, damit sie für die Kunden rasch und problemlos funktionieren.

ewb ist ein sehr engagiertes Vorstandsmitglied von openaxs. Welche Bedeutung hat der Verband für Sie?
Zbinden: openaxs unterstützt uns beispielsweise als Lobbyist in der Politik oder in der Gesetzgebung sowie im Argumentarium gegenüber Gemeinden. Das gemeinsame Ziel der openaxs-Mitglieder ist es, möglichst viele Marktakteure zu motivieren, eine alternative Glasfaserinfrastruktur aufzubauen und somit einen funktionierenden Wettbewerb in dieser volkswirtschaftlich wichtigen Branche zu ermöglichen. Nur so ermöglichen wir in Zukunft innovative und kostengünstige Telekom- Dienste.

Welchen Nutzen hat Ihnen die Verbandsmitgliedschaft bisher gebracht?
Zbinden: Dank openaxs schliessen sich weitere Energieversorger und Kabelnetzunternehmen dieser offenen, diskriminierungsfreien Plattform an. Je mehr Kunden über diese Plattform erreicht werden können, desto interessanter wird sie für die Dienstanbieter – und desto grösser der Nutzen für die einzelnen Partner. Wenn sie mehr Erfolg haben, wird es mehr Auslastung auf unseren Netzen geben.

Im Energiebereich spricht man von der Vision 2050. Welche Vision 2050 haben sie für den Telekom-Bereich?
Zbinden: Die Telekom ist ein wesentlicher Faktor für die Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft in einem globalen Umfeld. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass alle Beteiligten nach optimalen Lösungen suchen, und zwar Überlegungen folgend, die Langfristigkeit und nicht kurzfristige Gewinninteressen anstreben, wie es in der Infrastruktur nötig ist. Unser Ziel ist ein Markt mit einem echten Wettbewerb, so selbstverständlich, wie er seit langem in der Automobilindustrie existiert und funktioniert. Die Infrastruktur wird nur einmal gebaut, aber steht allen Dienstanbietern zur Verfügung. Und die Synergien zwischen Strom, Gas, Wasser, Telekom, Fernwärme werden konsequent genutzt.