Gemeinden im Norden des Kantons Waadt und entlang der Broye haben schlechte Internetverbindungen satt. Sie schmieden darum einen Schlachtplan, mit dem sie die Swisscom in die Knie zwingen wollen.
„Mein Dorf ist eine Internet-Wüste und ich habe das Gefühl, dass es niemanden interessiert!"
Marc Jehouda, Gemeinderat aus Treytorrens, brachte seine Verzweiflung während der Versammlung der Arbeitsgruppe für Internetverbindung in kleinen Gemeinden (GTCIPC) in Trey zum Ausdruck. „Ich verlange nur einen Viertel von dem, was ein Einwohner in Lausanne hat." Die Vertreter von etwa 20 Gemeinden, hauptsächlich aus dem Norden des Kantons Waadt und der Region Broye, haben sich zusammengeschlossen, um sich Gehör zu verschaffen.
Die Einwohner der Gemeinden haben keine Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten oder High Definition Television zu geniessen, da die Internetverbindung nicht gut genug ist. Schuld sind die technologischen Infrastrukturen. „Wir wünschen uns eine ausreichend gute Verbindung, um normal mit dem Rest der Welt kommunizieren zu können", fügt Jean-Marie Crausaz, Ammann von Trey, an.
Politischer Rekurs
Bevor sie sich auf Initiative von zwei Einwohnern aus Champtauroz zusammen taten, haben die Gemeinden unabhängig voneinander Swisscom kontaktiert, um sich über die Kosten einer Erschliessung mit Glasfaseranschlüssen zu informieren. Viele waren von der horrenden Rechnung, die ihnen präsentiert wurde, desillusioniert.
„Es ist für uns kleine Gemeinden unmöglich mit der Swisscom zu sprechen", beklagt sich Christian Vuadens in der GTCIPC. „Man muss heute Gesprächspartner finden, die sich auf ihrer Wellenlänge befinden."
Die Gruppe hat darum beschlossen, an Politiker auf kantonaler sowie nationaler Ebene zu appellieren. Viele hatten sich im grossen Gemeindesaal von Trey versammelt, und zwar Vertreter aller politischen Parteien.
Die Gruppe würde es sehr gerne sehen, dass sich der Kanton Waadt das Freiburger Beispiel zu Herzen nimmt. Dieses lässt die benachbarten Gemeinden vor Neid erblassen. Freiburg hat im August ein Abkommen mit Energielieferanten und der Swisscom getroffen, um das gesamte Kantonsgebiet in den nächsten 15 Jahren gemeinsam mit einem Glasfasernetz zu erschliessen. Die Kosten belaufen sich auf eine halbe Milliarde Franken.
„Das ist eine sehr vorbildliche Strategie", meint Nationalrat Roger Nordmann anerkennend.
„Der Kanton Waadt hat Geld, was nahelegt Überlegungen anzustellen." Die Reaktion von Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus überrascht nicht: „Das Engagement des Kantons Freiburg ist eine gute Lösung für die erweiterte Erschliessung des Glasfasernetzes. Die Städte werden vor den Dörfern vernetzt, da es dort eine grosse Konkurrenz gibt."
Auf Stand-by
Momentan bezieht der Kanton Waadt keine Stellung zur digitalen Kluft. Die Abgeordnete Ginette Duvoisin (SP) hat im Herbst 2011 ein Postulat beim Grossen Rat eingereicht, das eine Verpflichtung zur gleichmässigen Bereitstellung des Highspeed-Internet-Zugangs für alle Einwohner verlangt. Das Postulat wurde an den Staatsrat weitergereicht. Seither hat man nichts mehr gehört. Dies ärgert die Versammelten, warten sie doch ungeduldig auf eine Stellungnahme zum Postulat, damit sie ihre Sache weiterverfolgen können. „Ich hoffe, bis Ende Jahr eine Antwort zu erhalten", sagt Ginette Duvoisin. „Ich beantrage eine Bestandsaufnahme und möchte wissen, was der Staatsrat in dieser Sache bewirken kann."
Während sie auf das Urteil warten, haben sich die Mitglieder des GTCIPC zur Handlung entschlossen und werden sich direkt an Staatsrat Philippe Leuba wenden. Parallel dazu hat Roger Nordmann Lösungen ausgearbeitet, die auf Bundesebene verankert werden sollen. So zum Beispiel die gesetzliche Festlegung der Einrichtung von Glasfasernetzen, die Verbesserung der Anforderungen an die Mindestgeschwindigkeit von 1 Mbit/s. auf 10 oder die Verpflichtung, eine alternative Funkverbindung zur schaffen, nämlich eine landesweite 4G-Verbindung. Alles Vorschläge, deren Umsetzung noch Jahre dauern wird.
Quelle: 24 heures
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