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«Die Anmeldung für die openaxs-Mitgliedschaft geht heute auf die Post!»

Othmar Schmid Gemeindeammann Amlikon-Bissegg
Othmar Schmid
Gemeindeammann
Amlikon-Bissegg

«Gemeinden auf dem Sprung in die Zukunft» heisst das Motto zur 3. openaxs FTTH Conference. Eine Gemeinde, die dieses Motto besonders gut verkörpert, ist Amlikon-Bissegg, mit nur 1'300 Einwohnern. Gemeindeammann Schmid stellt das ambitionierte Glasfaserprojekt als Referent an der FTTH Conference vor – und hier im Exklusivinterview.

Othmar Schmid, Gemeindeammann Amlikon-Bissegg

Herr Schmid, ist Amlikon-Bissegg eine Gemeinde auf dem Sprung in die Zukunft?
Othmar Schmid: Das Motto trifft es genau: Unsere technologische Infrastruktur ist sehr weit. Wir sind gerüstet für mindestens die nächste Generation.

Sie sind Referent an der 3. openaxs FTTH Conference. Was dürfen die Besucher von Ihrem Auftritt erwarten?
Schmid: Sie erfahren die Beweggründe, warum wir als Kleinstgemeinde im Zentrum von Thurgau selber ein Glasfasernetz bauen. Und welche Erfahrungen wir im Pilotprojekt gemacht haben.

Und? Warum bauen Sie ein Glasfasernetz?
Schmid: Primär, weil die Bevölkerung dies mit Nachdruck gewünscht hat. Es gab an Gemeindeversammlungen sehr deutliche Voten. Die Leute fühlten sich von der Swisscom im Stich gelassen und sammelten sogar Unterschriften für ein kommunales Glasfasernetz. Die meisten verfügten bisher nicht einmal über ADSL-Anschlüsse.

Ein Glasfasernetz für 1300 Einwohner respektive 600 Wohneinheiten – lohnt sich das?
Schmid: Nein, das lohnt sich nicht. Hätten wir nur an den Return on Investment gedacht, hätten wir das Glasfaserprojekt nicht starten dürfen. Unser Gemeindegebiet ist extrem grossflächig und mit 27 Weilern und Bauernhöfen nur verstreut besiedelt. Wir investieren in Glasfasern wie andere in Eis- oder Schwimmhallen – weil wir der Bevölkerung etwas bieten wollen.

2010 hat Swisscom Ihrer Gemeinde angeboten, ein Kupferkabel zu verlegen, sofern sich die Gemeinde mit 100'000 Franken daran beteiligt. Warum haben Sie abgelehnt?
Schmid: In der heutigen Zeit noch in Kupferkabel investieren, um Bandbreiten minimal zu erhöhen – das kann nicht die Lösung sein! Wir wollten eine zukunftsfähige Lösung, aber eine solche war für Swisscom zu wenig rentabel.

Swisscom hat Ihnen später angeboten, sich an der Glasfasererschliessung zu beteiligen. Warum haben Sie nochmals abgelehnt?
Schmid: Das Angebot kam erst, nachdem unser FTTH-Pilotprojekt sämtliche Erwartungen übertroffen hatte. Als mehr als 50% der Haushalte von der Swisscom auf unser Netz gewechselt hatten, wollte sich die Swisscom ins Projekt einklinken. Doch die Bedingungen, die uns Swisscom gestellt hat, stimmen für uns noch nicht. Aber die Tür ist nicht zu. Die Verhandlungen laufen weiter. Nicht verhandelbar ist für uns ein offenes Netz, der sogenannte Open Access. Daran halten wir fest.

Welches sind die grössten Herausforderungen, die sich für Sie im Glasfaserprojekt gestellt haben?
Schmid: Vertreter aus den umliegenden Städten haben uns anfangs fast ein wenig eingeschüchtert. Sie sagten: «Ihr bekommt doch keine Provider für Euer kleines Netz!» Das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Doch umsonst. Wir sind mit zwei Providern gestartet und haben heute deren zehn. Fast zu viel, meinten wir. Aber wir haben auch gemerkt, dass unsere Bürgerinnen und Bürger die Auswahl schätzen und die Angebote sehr genau überprüfen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie sonst aus der Bevölkerung aufs Glasfasernetz?
Schmid: Begeisterte! Home Office wird auch in unserer Gemeinde immer mehr zum Thema, wie in anderen Landgemeinden auch. Und ein Einwohner mit Geschäftssitz in Winterthur hat nun sogar die gesamte Server-Infrastruktur zu Hause eingerichtet, weil die Geschwindigkeiten hier höher sind.

Sie haben entschieden, das Glasfasernetz gemeinsam mit der EKT AG zu bauen. Wie kam es zu dieser Kooperation?
Schmid: EKT ist seit 2008 Ingenieurpartner auf unserem Elektronetz. Das heisst also – die Leute dort kennen unser Netz praktisch auswendig. Anderen Firmen hingegen hätten wir mit hohem Aufwand viele Daten beschaffen müssen. Das hätte sich kaum gelohnt. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Entscheid.

EKT ist Mitglied bei openaxs, die Gemeinde Amlikon-Bissegg jedoch noch nicht. Könnte sich das bald ändern?
Schmid: Der Zufall will es – die Anmeldung für unsere Mitgliedschaft geht heute auf die Post. Ich freue mich auf den Erfahrungsaustausch mit anderen Gemeinden und Energieversorgern. Dank openaxs wollen wir uns auch in Zukunft über die Marktentwicklung auf dem Laufenden halten. Denn es hört nie auf – was heute Sinn macht, ist morgen vielleicht bereits veraltet. Immerhin haben wir mit der Glasfaser eine Infrastruktur, die diese Entwicklungen mitmacht.