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Marco Villiger: «Es geht nur mit Glasfasern»

Marco Villiger, Leiter Telekom bei Stadtwerk Winterthur, über Erfolgsfaktoren im Glasfasergeschäft, Kundenzufriedenheit und einen erfolgreichen Anlass für Immobilienverwaltungen.

Herr Villiger, warum engagiert sich das Stadtwerk Winterthur als Energieversorger im Telekommarkt?
Marco Villiger: Ein Glasfasernetz ist eine wichtige Infrastruktur für eine Stadt. Mit unserem Engagement nehmen wir die Verantwortung wahr für eine zukunftsfähige, moderne und sichere Infrastruktur in unserer Stadt zu sorgen. Zudem stellen die Energieversorgungsnetze und diverse technische Dienste der Stadtverwaltung immer mehr Kommunikationsaufgaben, die langfristig nur durch Glasfasernetze gelöst werden können.

Wie sieht der Bauplan aus? Bis wann wollen Sie wie viele Haushalte und Geschäfte ans Glasffasernetz bringen?
Villiger: Wir haben 2013 mit dem Bau begonnen, Swisscom bereits 2010. Bis Ende 2017 wollen wir gemeinsam 95 Prozent der 52‘000 Haushalte und Gewerbeeinheiten in der Stadt Winterthur erschlossen haben.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Swisscom?
Villiger: Die Kooperation bezieht sich vor allem auf den Netzbau, der sehr partnerschaftlich vonstattengeht. Bei allen Fragestellungen finden wir gemeinsam pragmatische Lösungen. Wir hatten jedoch auch schon Qualitätsmängel und mussten diese auf höherer Stufe beanstanden. Die Verantwortlichen haben unser Anliegen ernst genommen und schnell darauf reagiert.

Kritische Stimmen sagen, vom Kooperationsvertrag zwischen Swisscom und den Stadtwerken profitiere vor allem die Swisscom. Für die Stadtwerke hingegen könne sich das Glasfasergeschäft nicht rechnen. Ihre Entgegnung?
Villiger: Bis wir einen Marktanteil haben, der unserem Finanzierungsanteil entspricht, dauert es sicher länger als bei Swisscom. Das ist allen klar. Trotzdem war die Investition ins Netz strategisch wichtig und unsere Kooperation mit Swisscom hat auch Vorteile. Wir kommen dadurch rascher zu einem flächendeckenden Netz, was die Marktentwicklung wiederum begünstigt.

Welches sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren für städtische Energieversorger im Glasfasergeschäft?
Villiger: Es braucht eine zugeschnittene Informationstechnologie mit integriertem und konsistentem Datenmodell. Das ist die Voraussetzung für effiziente Prozesse mit ausbaubarem Automatisierungsgrad. Dann braucht es natürlich starke Angebote von schlagkräftigen Dienstanbietern, um im Markt bestehen zu können. Und wichtig ist schliesslich auch die eigene Haltung: Ohne Flexibilität und Agilität können die Netzbetreiber mit der hohen Marktdynamik nicht mithalten.

Mit dem Glasfasermarkt betritt Stadtwerk Winterthur ein neues Geschäftsfeld – also Neuland. Wie stellen Sie sicher, dass die Kunden mit Ihren Dienstleistungen zufrieden sind?
Villiger: Obwohl die Nutzer mit uns keine Vertragsbeziehung haben, sondern ein Abo inklusive Glasfaseranschluss beim Dienstanbieter einkaufen, landen immer wieder viele Endkunden bei uns und suchen Unterstützung. Diese Unterstützung müssen wir anbieten. Wir wollen die Nutzer nicht abweisen und zu ihrem Dienstanbieter schicken. Wir wollen, dass die Nutzer mit der Nutzung unseres Netzes zufrieden sind. Das ist ein hoher Anspruch und die verstärkte Kundenorientierung bedingt auch teilweise ein Umdenken. Davon kann Stadtwerk Winterthur aber als Ganzes profitieren.

Sie haben einen Anlass für Immobilienverwaltungen organisiert. Mit welchen Erfahrungen?
Villiger: Die Glasfaserthematik ist bei allen präsent. Der Nutzen dieser Technologie ist allerdings noch nicht allen Akteuren der Immobilienbranche klar. Viele sehen die Glasfasererschliessung und eine Multimediaverkabelung noch nicht als Standard oder Vermarktungsvorteil. Gerade bei Neubauten wird oft noch in alten Mustern geplant, etwa mit einer Koax-Erschliessung parallel zur Glasfaserverkabelung. Nach der Veranstaltung war jedoch allen klar, dass es unverhältnismässig ist, nebst einer modernen Glasfaserverkabelung, die allen Serviceanbietern offen steht, auch noch in eine Koax-Verkabelung zu investieren, die nur einem einzigen Dienstanbieter nutzt.

openaxs hat zu diesem Thema neulich einen Leitfaden entwickelt. Welche Bedeutung hat der Verband für Sie?
Villiger: Der Verband soll weiterhin die Verbreitung der Glasfasernetze fördern. Gerade heute, wo in den meisten grossen Städten FTTH-Projekte am Laufen sind, überlegen sich immer mehr kleinere Gemeinden, in ein flächendeckendes Netz zu investieren. Diese sind auf Unterstützung angewiesen. Nicht nur in der Entscheidungsfindung, sondern auch im Bau und Betrieb werden Ressourcen und Kompetenzen benötigt, die nicht alle kleinen Gemeinden selbständig aufbauen können. Der Verband muss hier eine Vermittlerrolle einnehmen und den Gemeinden Unterstützung durch naheliegende grössere Energieversorger aufzeigen. Der Verband soll sich aber auch mit der zukünftigen Nutzung der Glasfasernetze auseinandersetzen und den Netzbetreibern das Entwicklungspotenzial näherbringen, beispielsweise bei den sogenannten OTT-Services.